Mittwoch, 7. Januar 2009

Das laeuft ja wie am Schnuerchen

Meine Lieben!

Noch immer bin ich in Nouméa, noch immer trinke ich um mein Leben (ich habe das Gefuehl pro Minute einen halben Liter Wasser zu verlieren und das hat mit Inkontinenz nichts zu tun). Gestern waren wir endlich im Centre Culturel Tjibaou, unsere Kontaktstelle hier was die Kultur der Kanak angeht. Ich habe weitere Buecher gekauft (und somit bald 300 CHF dafuer ausgegeben) und von Edmond, dem zweitaeltesten Sohn der Familie und einer Art King Julian/Ali G. Neukaledoniens und witzigster Gauner der Insel, einen Crashkurs in Kanak-Tradition gekriegt, hoechst interessant und nuetzlich.

Morgen ist es dann soweit: ich habe mein erstes Interview mit Dany Dalmayrac, einem lokalen Schriftsteller und Tausendsassa, dessen neustes Buch ich somit bis dahin lesen sollte. Er gilt hier ein wenig als Schwaetzer und ist keiner der ganz grossen Literaten hier, aber als Einstieg wohl ideal, da er auch viele Kontakte hat.

Am Montag fliege ich dann zur Insel Tiga, wo ich eine ganze Woche im Haus von Wanir Wépénélé wohnen darf. Er ist ehemaliger Pastor und eine Art grauer Eminenz was die Neukaledonische Literatur betrifft. Ansonsten noechte ich mich noch mit der Schriftstellerin Dewé Gorodey, dem Slam-Poeten Paul Wamo, sowie dem Dramatiker Pierre Gope treffen. Ich habe zumindest schon jeweils jemanden gefunden, der fuer mich bei den Dreien ein gutes Wort einlegen kann.

Alles laeuft also soweit Bestens, doch waere ich nicht ich, wenn ich nicht mehrere Boecke pro Woche schiessen wuerde. Und Ihr waert nicht Ihr, wolltet Ihr davon nicht hoeren ;-) nun denn:

Bock Nr. 1: Wenn man hier zu jemandem nach Hause geht, macht man "la coutume". Das ist alles sehr formell und zeremoniell und laeuft wie folgt ab: Der Gast legt eine Gabe auf den Tisch (zumeist Stofftuecher, einen Geldschein und in unserem Fall Schokolade) und haelt eine kurze Rede, in welcher er dem Gastgeber dankt, aufgenommen zu werden, sagt woher er kommt, etc. Danach nimmt der Gastgeber das Geschenk an und haelt zumeist eine Gegenrede, in welcher er das Geschenk verdankt. Waehrend diese Ablaufs ist es mucksmaeuschen still und alle Beteiligten schaue irgendwie betretn zu Boden und versuchen, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Soweit, so gut. Ich fuer meinen Teil habe es geschafft, eine solche Zeremonie zu stoeren, in dem ich hinzu kam, nicht schnallte was laeuft, weil sie nicht franzoesisch, sondern eine ihrer Sprachen sprachen, und laut mit dem Baby spielte... Sie haben mir wohl verziehen weil ich ein unwissender Europäer bin ;-)

Im zweiten Fall hat Jenny, unsere Gastmutter, mir gesagt ich müsse unbedingt mit dem Besitzer einer Buchhandlung sprechen, den sie kennt, da er alles über die lokale Literatur wisse und jeden kenne. Ich also auf nach Nouméa und kaum stehen wir vor einer Buchhandlung, sagt Peter (unser Betreuer), das sei besagte Buchhandlung. Ich gehe also rein, überfalle den schüchternen Inhaber mit der Begründung wir hätten in Jenny eine gemeinsame Bekannte und er solle mir doch bitte sofort seine Telefonnummer geben, damit wir einen Termin für ein Interview ausmachen können. Kaum zu Hause erzählte ich Jenny von meiner Heldentat, worauf sich herausstellte, dass es die falsche Buchhandlung war...

Ihr seht, auch am anderen Ende der Welt springe ich mit Anlauf in die aufgestellten Fettnäpfchen. Doch genug für heute.

Ich hoffe es geht Euch allen gut und Ihr habt das neue Jahr gut begonnen.

mit lieben Grüssen und auf bald,

Euer Christian

1 Kommentar:

  1. Ciao Christian, endlich habe ich es geschafft und konnte deine Einträge lesen. Es ist sehr interessant und spannend über die Erfahrungen und Erlebnisse welche zu zweifelsohne machst so viel zu erfahren. Und ich denke du wirst mit vielen Eindrücken von den Reisen innerhalb von Neukaledonien zurückkehren.
    1985 als ich mit Marianne unterwegs war, führte ein kurzer Besuch ebenfalls nach Neukaledonien. Wir mussten damals 3 Tage auf den Weiterflug von Australien nach Neuseeland warten. Zu dieser Zeit hatte die französische Verwaltung in Paris politische Auseinandersetzungen mit den Einheimischen. Am 18.06.85 kamen wir an. Im Tagebuch schrieb ich:" Man kommt mit gemischten Gefühlen an. Das Flugzeug der UTA ist zu einem Drittel mit frischen Soldaten und deren Familien besetzt. Dann auf dem Flughafen Armee. In der Stadt bewachte Häuser der Polizei und der Armee. Unser Transport kostete 1'500 Franc vom Flughafen in die Stadt. Dies entspricht 14$ (Wk:2.91). Unterwegs Strassenkontrollen. Uns war es nicht wohl. Die Jungendherberge mit gleichgesinnten Backpackers gefüllt, mit welchen wir die nächsten 3 Tage teilten. Viele Schweizer, so können wir jassen. In die Innerstadt von Nouméa gingen wir lediglich um Geld und Lebensmittel zu besorgen. Da die Küche in der Jugi nicht unseren Ansprüchen genügt (!!) gab es kalte Speisen. Terinne, Butter und Flûte. Die Stadt sehr kontrolliert und die Einwohner eher nervös, oder sind wir dies? "
    So, dies wäre mein Eintrag. In Basel ist es immer noch sehr kalt aber auch schön. Politisch alles ruhig. Es wird denke ich ein gemütlicher Sonntag. Dir alles Gute und wir, d'Schängg's freuen uns auf weitere News von dir. Herzliche Grüsse Peter

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